Dark Diary
Verfasst am: Tue., 06.09.2005, 22:21:00
Surreal
Über sich selbst in der dritten Person zu schreiben ist seltsam. Man degradiert sich zum Protagonisten einer Kurzgeschichte. Man gewährt kurze Einblicke in dessen Leben. Kein Anfang, kein Ende. Dinge passieren. Weniger Gute und Schlechte... aber es ist und bleibt nur eine Geschichte.
Die Gesellschaft erwartet es so. Man möchte danach einfach weiterblättern und etwas neues lesen. Etwas Lustiges etwa, oder Kochrezepte. Hauptsache, man muss nicht mehr über das gelesene nachdenken.
Sowas ist krank, oder?
Verfasst am: Tue., 06.09.2005, 22:10:00
Augen
Stumm blickte er auf ein Photo von ihr. Es war im Dunkeln aufgenommen worden, doch der Blitz erhellte ihre Züge. Sie lag auf einer verwitterten Steinmauer. Im Hintergrund streckten kahle Bäume ihre dünnen Äste in den Abendhimmel. Ihr blutrot geschminkter Mund war geschlossen. Sie lachte selten. Ihre dunklen Augen blickten ernst und ein bisschen traurig in die Kamera.
Wie oft war er in den Tiefen dieser Augen versunken? Wie oft blickte er durch sie hindurch auf den Grund ihrer Seele? Und wie oft erblickte er darin die endlose Traurigkeit und den Hass auf sie selbst?
Diese Augen waren etwas besonderes. Etwas einzigartiges. Auf dem Photo schien sie ihn direkt anzuschauen. Es war schwer, irgendwelche Gefühle darin zu deuten.
Ein Gefühl des Verlustes machte sich in ihm breit. Immer wieder ging ihm ein altes Sprichwort durch den Kopf: "Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil du es erleben durftest."
Und genau das tat er.