Beziehungsfähig

Bin ich das überhaupt? Die letzten Monate, wenn nicht Jahre, lassen mich wirklich daran zweifeln. Fragen kommen auf.

Stelle ich nicht viel zu hohe Ansprüche? In dem ich an andere den gleichen Maßstab anlege, mit dem ich mich auch selbst messe? Eine Freundin beschrieb das mal so:

"Ich bin nicht du! Ich bin anders!"

Aber komme ich damit klar? Wie wenig "anders" darf's denn sein, damit's noch okay ist? Und wieviel "anders" muss es sein, damit's nicht langweilig wird? Was wünsche ich mir überhaupt von einer Beziehung? Oder besser: was nicht?
Ich möchte definitiv keine Abhängigkeiten haben. Weder emotionale noch monetäre. Möchte zwar gern für jemanden im Mittelpunkt stehen, aber nicht der einzige Lebensmittelpunkt sein. Unabhängigkeit ist das Stichwort. Ich möchte nicht, das jemand mich "braucht", um zu Leben. Das bedeutet aber, dass beide Partner dieser Beziehung auf eigenen Beinen stehen, ihr eigenes Leben leben, eigene Freunde(-skreise) haben, eigene Hobbies pflegen... ja, einfach alleine über die Runden kommen - und das auch wissen.

Denn nur mit diesem Wissen kommt die Gelassenheit, verschiedene Dinge zu akzeptieren. Zum Beispiel, dass Beziehungen nicht ewig halten. Man trifft sich, begleitet sich ein Stück des Weges, man geht auseinander. Wie die ineinandergreifenden Zähne eines Zahnrades. Einzig die Dauer der gemeinsamen Zeit variiert. Sicher auch die Intensität oder die Menge der Gemeinsamkeiten. Aber die zugrunde liegende Wahrheit bleibt davon unberührt. Die Kunst ist es, nicht das Ende zu sehen sondern diese gemeinsame Zeit zu genießen.

Aber ist es so überhaupt noch eine Beziehung? Alles, was ich schreibe, beschreibt eher eine Freundschaft. Eine möglicherweise tiefe, auch durch Vertrauen geprägte Freundschaft. Aber nicht mehr.

Allerdings habe ich bis jetzt einen Aspekt außer Acht gelassen: die körperliche Nähe, die Sexualität, die Lust... ein Aspekt, der der Freundschaft fehlt.
Und somit befinde ich mich in einem Dilemma. Als sehr sensitiver Mensch möchte ich diesen Aspekt nicht aufgeben. Möchte aber auch dafür meine Freiheit nicht aufgeben, indem ich eine Beziehung eingehe.

Warum kann es nicht beides geben? Eine Art "Freundschaft plus"?

Vielleicht, weil es eine unheimlich schwierige Gratwanderung ist. Viel zu leicht wird aus "Freundschaft plus" doch wieder eine Beziehung. Und eine Beziehung tötet leider meist im Nachhinein die Freundschaft. Es bedarf enormer Disziplin, hier nicht vom Weg abzukommen. Denn die Grenzen sind fließend.

Ein weiterer Punkt ist Eifersucht. In der klassischen Moralvorstellung kann man mehrere Freundschaften haben, aber nur eine Beziehung, in der man dann auch dem Partner treu ist. Wo sortiert man nun "Freundschaft plus" ein? Kann es davon mehrere geben?
Meiner Meinung nach kann das nur funktionieren, wenn alle Beteiligten - wie oben beschrieben - stark und selbstbewusst genug sind. So dass Eifersucht keinen Nährboden hat, weil niemandem etwas "weggenommen" wird.

Da stehe ich nun, allein und auf der Suche... oder habe ich schon gefunden?

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